-
13.01.2026, 14:15:17
- → Feuilleton
Ulrich Enzensberger gestorben
Berlin. Der Schriftsteller und Journalist Ulrich Enzensberger ist tot. Er starb am Sonntag morgen im Alter von 81 Jahren in seiner Berliner Wohnung, wie jW am Dienstag aus dem Freundeskreis erfuhr. Enzensberger gehörte 1967 zu den Mitbegründern der »Kommune I« in Westberlin. Am 2. Dezember 1944 im mittelfränkischen Wassertrüdingen geboren, wuchs Enzensberger als Kind einer Erzieherin und eines Oberpostdirektors auf. Er hatte drei Brüder, den Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger, den Anglisten, Übersetzer und Essayisten Christian Enzensberger und den Schriftsetzer Martin Enzensberger, alle bereits verstorben.
In Nürnberg zur Schule gegangen, zog Ulrich Enzensberger nach dem Abitur nach Westberlin, um sich dem Wehrdienst zu entziehen. Als Teil der 1967 gegründeten linksalternativen Wohngemeinschaft »Kommune I« wurde er im selben Jahr wegen des Verdachts verhaftet, das sogenannte Puddingattentat auf US-Vizepräsident Hubert H. Humphrey geplant zu haben. Sein Germanistikstudium beendet Enzensberger schließlich in München, wo er sich der KPD/ML anschloss und zum Umkreis der »Tupamaros München« zählte. Sein Buch »Die Jahre der Kommune I. Berlin 1967–1969« (2004) ist ein Standardwerk zum Thema. In den 90er Jahren half er dem Auschwitz-Überlebenden Otto Rosenberg, dem langjährigen Vorsitzenden des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, beim Verfassen seiner Erinnerungen »Das Brennglas« (1998). Das Buch ist ein zentraler Text zur Aufarbeitung des Völkermords der Nazis an den Sinti und Roma. Zu Enzensbergers weiteren Werken zählen »Georg Forster. Ein Leben in Scherben« (1996), »Herwegh. Ein Heldenleben« (1999) und »Parasiten. Ein Sachbuch« (2001). Zuletzt litt er an einem schweren Krebsleiden. (jW)
Ein Nachruf folgt
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!